Sir Lankan Sunset

Sir Lankan Sunset
Bild: stepin.de

Dienstag, 24. Februar 2015

Freitag, 20. Februar 2015

Mini-Mönche unterrichten


Teacher,Teacher!“ , diese Worte begleiteten uns die Woche über bei unserem Projekt, in dem wir kleine Mönche in Englisch unterrichten sollten. Als wir am ersten Tag im Tempel ankamen wurden wir zuerst von Papa-Mönch begrüßt und dann in unsere Klasse geführt.
Wir bekamen die etwas älteren Mönche im Alter von 11-15 Jahren, die es nun zu unterrichten galt.
Das war gar nicht so leicht, weil alle auf einem sehr unterschiedlichen Bildungsstand waren. Der Älteste zum Beispiel sprach nur sehr gebrochenes Englisch und verstand uns so gut wie nie, während einige jüngere Mönche sehr gut reden konnten und schon etwas schwierigere Grammatik beherrschten. Zum Glück hatten wir immer einen Koordinatoren dabei, der uns bei etwas schwierigeren Aufgabenstellungen half und sie den Mönchen auf singhalesisch übersetzte, damit sie wussten, was zu tun war. Ich hatte eigentlich mit einer sehr anstrengenden und nervenaufreibenden Woche gerechnet, da ich vorher schon in einer „Pre-School“ unterrichtet hatte, was wirklich ziemlich mühsam war, da die energiegeladenen Kinder nicht wirklich zuhören wollten, aber genau das Gegenteil war der Fall: Die Mini-Mönche waren total aufmerksam, lernbereit und fleißig, weswegen die Arbeit als Lehrer im Tempel auch besonders großen Spaß gemacht hat.

Ab dem zweiten Tag bekamen wir Unterstützung von 2 sehr netten Chinesen, die die kleineren Schüler im Alter von unter 10 Jahren übernahmen. Nach dem wir den Mönchen die Grundlagen des „Simple Present“ vermittelt hatten und mit ihnen geübt hatten, Fragen zu stellen, gab es zum Ende jeder Stunde ein Spiel was wir alle zusammen spielten. Ob „Simon Says“, „Hangman“, ein ABC-Spiel oder Malen – die Kleinen hatten Spaß.

Zwischendurch gab es immer eine Tee-Pause, bei der die Mönche uns jedes Mal bestürmten und nach unseren Kameras fragten, weil die kleinen Hobby-Fotografen Fotos vom ganzen Tempel und den trinkenden/essenden Volunteers machen wollten. :D

In diesen Pausen schleppten sie auch immer ihren Tempel-Hund in die Klasse, den sie "Gandhi" getauft hatten und spielten fangen mit ihm.

Ich hatte eigentlich erwartet ziemlich schweigsame und artige Mönche als Schüler zu bekommen ( weil man sich Mönche einfach immer so vorstellt) , aber sie waren vielmehr wie ganz normale Jungs, die herumalberten,
umherrannten und uns als Lehrerinnen mit Komplimenten überschütteten. „ Teacher, Teacher, Beautiful Teacher.“, die Mönche waren einfach zuckersüß. Weil sie so lieb waren und wir uns immer gebraucht und willkommen gefühlt haben, fiel es uns auch am letzten Tag besonders schwer „Auf Wiedersehen“ zu sagen, besonders weil einige direkt meinten, sie seien sehr traurig weil wir gehen müssten. Zum Abschied gab es von uns dann noch Süßigkeiten für die liebsten Schüler auf der Welt und von ihnen bekamen wir 3D Bildchen ( ziemlich kitschig und nicht schön, aber die Geste zählt) mit Rosen und einer weißen Mama mit Baby drauf ( warum auch immer). :D :D 
Auch diese Woche hat mir wieder super gefallen und ich hoffe wir konnten den Mönchen einiges beibringen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass Mönche so cool und witzig drauf sind. Ich glaube ich werde sie wirklich, wirklich vermissen. Die nächsten Wochen werde ich nun am Strand von Ambalangoda verbringen und ich bin schon sehr gespannt, was mich dort erwarten wird. Ihr hört von mir, wenn ich die ersten Impressionen bekommen habe.

Sonntag, 15. Februar 2015

Ab in den Osten

Das diesmalige Ausflugsziel lautete Trincomalee – Pigeon Islands. Unsere Reise dorthin begann Freitag bereits sehr früh morgens, so dass wir am letzten Tag des Babys- Projekts nicht mehr dabei sein konnten. Als erstes fuhren wir mit dem Bus nach Kandy und von da aus ging es ebenfalls mit dem Bus weiter nach Trincomalee. Die fünfstündige Fahrt, bei der wir mehr als 180 km zurücklegten, kostete umgerechnet weniger als 2 Euro. Warum kann Busfahren in Deutschland nicht so günstig sein? Da man für den kleinen Preis natürlich keinen Komfort erwarten kann war die Fahrt dementsprechend ziemlich anstrengend. Als wir verschwitzt, müde und erschöpft in Trincomalee ankamen mussten wir wieder umsteigen um zum Nilaveli Beach zu kommen, von dem es im Reiseführer hieß er sei „einer der schönsten Strände Sri Lankas“.
Ha, von wegen. Nachdem wir im nahegelegenen Hostel unsere Sachen abgelegt und uns strandfertig gemacht hatten gingen wir zum angepriesenen Strand, wo uns statt weißem Sand Müll und eine tote Schildkröte erwarteten. Kein schöner Anblick. Enttäuscht von unserem Strand besuchten wir am Abend „Fernandos Bar“, ein Backpacker- freundliches Beachrestaurant/Hotel. Eine super Idee, wie sich herausstellen sollte, denn nicht nur der Strand des Hotels, sondern auch die Bar war so super, dass wir uns auf Anhieb total wohlfühlten. Alles war aus Holz gebaut, es gab Hängematten und frühstücken konnte man in einer Art Baumhaus mit tollem Ausblick auf das Meer.



Wir haben dann also direkt für den nächsten Tag ein Zimmer für nur 6 Euro pro Nacht gebucht. Ein echter Geheimtipp für alle Reisenden mit kleinem Geldbeutel sind auch die „Backpack Caves“im Fernandos. Damit sind kleine Höhlen mit Bett für 1-2 Personen gemeint, die aussehen wie die Häuser aus dem Film „Der Hobbit“ und pro Nacht sogar nur 4 Euro kosten.

Am nächsten Morgen charterten wir ein Boot und liefen Kurs auf die „Pigeon Islands“ (eine Insel als Nationalpark auf der man besonders gut schnorcheln kann).

Die Insel war wirklich ein Traum: glasklares Wasser, weißer Sandstrand, Korallenriffe und grüne Natur.



Wir liehen uns Taucherbrille und Schnorchel auf und stürzten uns ins Meer um die Unterwasserwelt zu erkunden. Moränen, Starfische, Anemonen, allerlei bunte und wunderschöne Fischarten und sogar Haie – all das gab es unter Wasser zu sehen.

Nach 5 Stunden Schnorcheln, Sonnen und Entspannen ging es dann per Boot wieder zurück zum Festland, wo wir uns kurzerhand unsere Rucksäcke schnappten und mit dem Tuk-Tuk zum „Fernandos“ düsten. Frisch geduscht machten wir uns kurze Zeit später auf zum Abendessen, das direkt am Strand stattfand. Auf Holzbänken und übergroßen Kissen aßen wir leckere Wedges, manche aber auch Burger, Pfannkuchen oder Spaghetti. Sehr zu empfehlen ist hier übrigens der Fruchtpfannkuchen mit Vanille oder Schokoeis – einfach super lecker! Am Sonntag neigte sich das sonnige und sehr schöne Wochenende auch schon dem Ende zu und wir fuhren 5 anstrengende Stunden zurück nach Kandy.


Donnerstag, 12. Februar 2015

Baaabies!

In dieser Woche stand das „Baby Waisenhaus“ auf dem Plan. Fünf Tage lang drehte sich alles um die süßen kleinen Racker, die wir hauptsächlich mit gaaanz viel Liebe versorgen sollten. Nach einer extrem langen und anstrengenden Busfahrt, von ca. 2 Stunden, kamen wir in dem Waisenhaus an, in dem neben den Babies auch noch Kleinkinder und ein paar größere Kinder untergebracht sind. Die meisten Kinder landen im Waisenhaus, weil sie das Ergebnis von Vergewaltigungen sind, oder weil die Mütter zu arm oder zu jung sind um die Kinder großziehen zu können. Jeden Morgen ging es für uns als erstes zu den Babies, die wir wecken, füttern, kuscheln durften. Außerdem waren die Kleinen total verspielt, so dass wir viel Zeit auf dem Spielteppich verbrachten.
5 Volunteers im Kreis mit Babys auf dem Schoß – wir kamen uns ein bisschen vor wie in einer Mutter-Kind-Krabbelgruppe und schon nach kurzer Zeit hatten wir unsere Lieblinge, die uns ganz besonders ans Herz gewachsen sind.
Im Waisenhaus merkte man besonders, dass die Kinder nicht die nötige Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen, weil wieder einmal zu wenig Pflegekräfte für alle vorhanden sind. So kam es oft vor, dass die Kinder stundenlang einfach nur kuscheln wollten anstatt zu spielen und direkt anfingen zu weinen, sobald man sie absetzte. Das ging einem sehr ans Herz, weil man wusste, dass die Babys, sobald man das Projekt verließ wieder einfach nur ruhig gestellt werden, anstatt das richtige Maß an Zuneigung zu bekommen. Mein Lieblingsbaby war besonders zuwendungsbedürftig und klammerte sich stundenlang um meinen Hals um einfach nur zu kuscheln, weswegen es sich den Namen „Tarzan-Baby“ verdiente. Mit seinen großen braunen Augen und den langen Wimpern war es einfach nur goldig und wäre ich ein paar Jahre älter gewesen, hätte ich es direkt adoptiert.
Nach der Zeit mit den Babies, die uns jeden Tag viel zu kurz vorkam, hatten wir eine überdimensional lange Mittagspause von 2 Stunden, weil die Kinder in der Zeit schlafen sollten. Im Anschluss teilten wir uns auf, mal ging es wieder zu den Babies, mal zu den etwas älteren, denen wir in der „Pre-School“ das ABC und ein paar Vokabeln durch Spiele und Songs beibrachten. Weil sich die Kinder allerdings nicht so lange am Stück konzentrieren können, begaben wir uns nach 2 sehr anstrengenden und nervenaufreibenden Stunden nach draußen auf den Spielplatz, auf dem die Süßen ihre überschüssige Energie loswerden konnten. Wir spielten fangen, tobten, rutschten und schaukelten mit den Kids, so dass die Zeit blitzschnell verging und wir schon wieder den anstrengenden Heimweg antreten mussten. Dennoch war die Woche im Baby-Waisenhaus einfach toll, weil die Babys so viel Liebe brauchen und auch spenden, dass man am Ende jedes Tages zufrieden nach Hause gefahren ist. Einzig und allein die Pause sollte in Zukunft kürzer sein, damit sich die lange Fahrt zum Projekt auch lohnt und man vor Ort mehr bewirken kann.

Sonntag, 8. Februar 2015

Unser Trip zu Adam's Peak

Um zehn Uhr am Freitag Abend starteten 14 Volunteers, darunter auch Wibke, Anna, Mary und ich den einmaligen Ausflug zum Adam's Peak. Der Berg ist auch unter dem Namen „Schmetterlingsberg“ bekannt und auf ihm befindet sich der berühmte „Sri Pada“, was übersetzt „heiliger Fuß“ bedeutet, womit eine Felsformation gemeint ist, die wahlweise als Fußabdruck Buddhas, Adams oder Shivas zu deuten ist.
Da es tagsüber zu heiß wird, um die ca. 6200 Stufen ( ungefähr 1000 Höhenmeter) zu erklimmen und man von dem Berg einen einmaligen Blick auf den Sonnenaufgang hat, sollte man am besten nachts mit dem Aufstieg beginnen. So kamen auch wir um halb 2 nachts in Dalhousie am Fuß des Berges an und wurden bei unserem ersten Stopp in einem buddhistischen Tempel von einem Mönch gesegnet. Die ersten Kilometer verliefen ziemlich easy, da sich die Stufen immer mit flachen Strecken abwechselten und wir wunderten uns schon, warum uns zuvor jeder erzählt hatte, dass das Erklimmen des Berges so beschwerlich sei, bis wir den Part erreichten, in dem es statt der flachen Strecken nur noch Stufen zu besteigen galt. Ich muss sagen, dass der Weg hinauf zwischendurch dermaßen anstrengend war, dass ich wirklich überlegt habe einfach in einem der vielen Teehäuser zu bleiben statt mich weiter zu quälen. Schließlich siegte dann aber doch meine Neugier, was mich oben erwarten würde und so bestritten wir auch den letzten Teil des Weges ( wenn auch mit mehreren Tee-und Snackpausen). Da ich mir zum Glück zuvor ein paar Blogs und Erfahrungsberichte zu Adam's Peak durchgelesen hatte, hatte ich Wechselsachen eingepackt von denen ich erst genervt war sie den ganzen Weg hoch zu schleppen. Als man aber am Gipfel ankam,wo es winterlich kalt war, war man so durchgeschwitzt, dass man total gefroren hätte, wenn man nicht die Chance gehabt hätte sich umzuziehen. Weil wir schon nach 2,5 Stunden oben ankamen und nicht wie vermutet nach 4 Stunden, galt es nun zu warten bis sich der Sonnenaufgang zeigen würde, die Glocke zu läuten (erst nachdem man die Glocke geläutet hat ist man offiziell oben gewesen) und den Fußabdruck zu besichtigen. Zunächst suchten wir uns einen windgeschützten Unterschlupf. Auf diese Idee waren zuvor allerdings auch schon viele andere Pilgerer gekommen, sodass das Haus aussah wie eine Notunterkunft nach einer Naturkatastrophe oder einer Evakuierung.
Ein kleiner Teil der Unterkunft

Hier frühstückten wir dann ganz landestypisch Rotis, kleine mit Gemüsecurry gefüllte Teigtaschen und Ananas ( ziemlich gewöhnungsbedürftig um 5 Uhr morgens aber wir hatten soo Hunger). Danach gingen wir in den Tempel, bei dem man die Schuhe ausziehen und ziemlich lange warten musste, ehe man die Glocke läuten und den Fußabdruck sehen konnte, sodass meine Füße zwischenzeitlich zu Eisklumpen mutierten. Ich glaube ich habe noch nie so viele Leute auf so engem Raum gesehen (abgesehen von der Heimkehr der Nationalmannschaft in Berlin), wie zu dem Zeitpunkt an dem die Sonne begann aufzugehen. Deswegen beschlossen wir die Treppen wieder ein Stück herunterzugehen und hatten von dort aus einen super Blick auf den atemberaubendsten Sonnenaufgang, den ich je gesehen habe. Die Kulisse, in der die Sonne hinter einer Bergkette aufgegangen ist, war einfach nur großartig.


Da wir auf über 2000 Höhenmetern waren hatten wir zudem auch einen super Ausblick über die Wolken, die nur durch einzelne Bergkuppen unterbrochen wurden. Untermalt mit Trommeln und Gesängen der Mönche war die Zeremonie wirklich etwas ganz besonderes. Ich kann nur jedem, der in Sri Lanka ist, raten den Adam's Peak zu besteigen, denn es lohnt sich wirklich und ist ein ganz ganz tolles Erlebnis, das man nie mehr vergessen wird, auch wenn man beim Aufstieg denkt man würde sterben. So ließen wir es beim Rückweg langsam angehen und machten einige Pausen, weil unsere Beine vor Anstrengung zitterten und wir nicht riskieren wollten, die teilweise sehr unebenen Stufen herunter zu fallen.
Hier konnten wir dann auch bei Tageslicht die wunderschöne Landschaft rund um den Adam's Peak bewundern – Berge, Täler, Seen,Tempel, Wasserfälle, Teeplantagen, wilde Natur. Als wir dann nach ca. 3 Stunden den Boden erreichten wurden wir erneut gesegnet und fuhren erschöpft aber glücklich mit dem Taxi zum Volunteerhaus zurück. Alles in allem war der Ausflug ein großartiges Erlebnis, bei dem man an seine Grenzen geht, sie überschreitet und wundervolle Naturschauspiele beobachtet


Trotz der großen körperlichen Belastung lohnt sich der Auf- und Abstieg wirklich sehr, weil die Atmosphäre ( die vielen Menschen, die Musik, der Sonnenaufgang, die Stimmung, die Kraft des Glaubens) einfach unbezahlbar ist, sodass ich es wirklich jedem empfehlen kann, weil man sich so viel Zeit nehmen kann wie man möchte und in seinem Tempo den Aufstieg bestreiten kann.

Freitag, 6. Februar 2015

Eine Woche voller Herzlichkeit

Weil das Cats and Dogs Projekt der totale Reinfall war, bekamen Marie und ich für diese Woche ein Ersatzprojekt: Es ging für uns in das Behindertenheim „Mother Teresa Orphanage“ in Kandy.
Einrichtungen wie diese sind in Sri Lanka extrem wichtig, da Behinderte aus religiösen Gründen von ihrer Familie verstoßen und zu Waisen werden, weil der Glaube des „schlechten Karmas“ von vielen Familien vertreten wird. Behinderte sollen somit in ihrem vorherigen Leben etwas Böses getan haben und deswegen zurecht mit ihrer Behinderung bestraft sein, was natürlich für unseren Kulturkreis total absurd ist. So war der erste Tag auch ein richtiger Schock für uns, als wir gesehen haben unter welchen Umständen die Behinderten dort leben müssen, da die Heime nicht viel Unterstützung bekommen. Um den Schock besser verdauen zu können starteten wir (wie jeden Tag) mit einer morgendlichen Meditation, die Schwester Rose mit uns durchführte. Anschließend durften wir wählen an welchem Gruppenunterricht wir jeweils täglich teilnehmen wollen. Mich verschlug es am ersten Tag in die „Hope Group“, die aus Behinderten, die an den Rollstuhl gefesselt sind, bestand. Die meisten von ihnen waren schwer ansprechbar und nur bedingt anwesend, sodass man vergleichsweise wenig mit ihnen machen konnte. Wir begannen also sie zu waschen, einzucremen, zu füttern und anschließend lackierten wir ihnen die Nägel, malten mit ihnen oder spielten mit Knete.
Am zweiten Tag half ich in der „Peace Group“, in welcher nicht ganz so schlimm Behinderte Frauen unterrichtet wurden. Hier bestand der Unterricht daraus zunächst in Englisch die Körperteile zu benennen. Darauf folgte eine Einzelarbeit, bei der die Frauen malten, rechneten oder das Alphabet lernten.
In den letzten Tagen verbrachte ich die Unterrichtszeit in der „Children Group“, in der, wie der Name schon sagt, die Kleinsten des Heims untergebracht sind. Hier handelte es sich nicht um wirklichen Unterricht, sondern vielmehr um Musik-, Mal- und Basteltherapie.
Die Kleinen waren voller Energie und verwandelten die Spielecke schon bald in ein Schlachtfeld von Spielsachen. Von einem ganz besonders süßen Mädchen bekam ich am letzten Tag eine selbstgebastelte Blume geschenkt – einfach goldig! Am Ende jeder dieser Stunden wurde jeweils ein Lied gesungen, in dem man sich für die Anwesenheit und das Engagement der Teilnehmer bedankt hat.
Nach dem Unterricht folgte das Mittagessen, bei dem wir halfen die Behinderten, die nicht eigenständig essen können, zu füttern. Dieser Teil des Tages war immer ziemlich emotional, weil man hautnah miterlebt, wie hilflos sich die Behinderten fühlen und wie stark sie auf liebevolle Pflegekräfte angewiesen sind. Nachdem wir die ( viel zu lange) Mittagspause größtenteils im Aufenthaltsraum verschlafen oder im benachbarten Café verbracht hatten, ging es zurück zu den Behinderten, mit denen wir nun 1,5 Stunden zur freien Verfügung hatten.
Wir nutzten diese Zeit meistens dafür um mit den kuschelbedürftigen Bewohnern zu schmusen, sie zu streicheln oder mit den Kiddis auf den Spielplatz zu gehen.
Am Mittwoch, an dem in Sri Lanka Unabhängigkeitstag gefeiert wurde, durften die Heimbewohner ausnahmsweise fernsehen, was allen großen Spaß bereitete.
Der Abschied fiel am Ende jedes Arbeitstages ziemlich schwer, am schlimmsten war es jedoch am letzten Tag, denn nicht nur wir verließen das „Disabled Project“. sondern auch einige Mädchen die mehr als 4 Wochen dort verbracht hatten. Da die meisten Behinderten nicht verstanden, dass wir nicht mehr wiederkommen würden, fragten sie immer wieder wann wir Montag kommen würden. Es war also, besonders für die länger anwesenden Volunteers, ein tränenreicher Abschied und auch für mich war es ziemlich traurig, da man in der Zeit natürlich Lieblinge gewonnen hatte, von denen man sich nur schweren Herzens verabschieden wollte. Fazit: Es war eine beeindruckende Woche mit einzigartigen Menschen die mein Leben geprägt und verändert haben. Es war einfach wundervoll jeden Tag das Heim zu betreten und von warmherzigen Lächeln empfangen zu werden. Diese Freundlichkeit werde ich in Deutschland und in meinem normalen Umfeld mit Sicherheit vermissen. Es war einfach eine tolle Erfahrung aufrichtige Dankbarkeit von Menschen zu erfahren, die einen wirklich brauchen. Nach einer gewissen Zeit überwindet man Grenzen und scheut sich auch nicht mehr davor mit den Leuten auf die Toilette zu gehen oder sie zu säubern. Ich hoffe, dass sich weiterhin Volunteers dazu entscheiden im Behinderten Projekt in Sri Lanka mitzuarbeiten, da es wirklich sinnvoll ist, weil es für die über 100 Bewohner nicht genügend Personal gibt, das ihnen ausreichend Liebe und Zuneigung spenden kann. Alles in allem hat mir das Projekt gut gefallen, weil es mich (obwohl ich nur eine Woche dort war) aus meiner Komfortzone herausgeholt hat und mich offener für benachteiligte Menschen gemacht hat.
( Wie ihr mit Sicherheit versteht, werde ich hier keine Fotos von einzelnen Heimbewohnern hochladen, da ich es nicht fair finde ihre Handicaps im Internet preiszugeben)

Montag, 2. Februar 2015

The Longest Day

Am Sonntag brachen Marie und ich zum Cats & Dogs Projekt auf, wo wir uns um verletzte und verwaiste Straßentiere kümmern sollten. Weil es die Sri Lankar gechillter angehen lassen, als wir Deutschen es gewohnt sind, wurden wir nach gut 3,5 Stunden Wartezeit endlich mit dem Taxi zum Projekt gefahren. Wir dachten uns schon, dass es dort mit Sicherheit einige kranke und nicht erzogene Hunde und Katzen geben würde, aber was uns dort erwartete sprengte all unsere Erwartungen (im negativen Sinne)! Wir fuhren auf das Grundstück und wurden von lautem Gebell begrüßt, das von über 200 Straßenhunden herrührte. Die Tiere waren über mehrere Zwinger verteilt, die man alle durchqueren musste, ehe man das Haus erreichte, in dem die deutsche Ziehmami zusammen mit den Tieren wohnte. Schon beim Betreten des Hauses schlug uns der beißende Geruch von Hunde/Katzenkot und Pipi entgegen. Im Haus erwarteten uns dann um die 50 Hunde und einige Katzen, die nicht stubenrein, geschweige denn erzogen waren. Den Flur bis zu unserem Schlafzimmer (in dem nebenbei auch mehrere Katzen hausten) war infolgedessen von Pinkelpfützen überzogen, die die Besitzerin des Hauses immer nur leicht mit dem Swiffer aufsaugen ließ, sie aber nie richtig säuberte.
Unsere Ankunft war wie Ihr sicher verstehen könnt erst mal der totale Schock für uns und wir wären am liebsten direkt wieder gefahren, besonders weil unsere Zimmerkatzen ein paar Häufchen auf und unter unserem Schreibtisch hinterlassen hatten. Aber wir sagten uns: eine Nacht packen wir mindestens, vielleicht sieht die Welt morgen schon anders aus. Sah sie nicht! Vor dem Schlafengehen hatte sich nämlich im Badezimmer ( in dem die Klospülung übrigens nicht funktionierte) ein Blutegel an meinem Fuß festgesaugt, der anschließend voll gesaugt abfiel und genüsslich über unser Bett kroch. Als wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, konnte man die Fenster in unserem Zimmer nicht schließen, so dass immer wieder Katzen und Hunde ein und aus spazierten, während wir versuchten zu schlafen. Völlig verzweifelt schrieben wir unserem Projektleiter eine SMS mit der Bitte zur Flucht. Am nächsten Morgen kam die Antwort, dass er einen Fahrer organisiert hätte, der uns bald abholen würde. Bis dahin galt es allerdings noch im Horror-Haus zu verharren und zu frühstücken. Das Essen, das offen in der Küche herumlag und schon von einigen Katzen angeknabbert worden war, wurde von der Tiermama zu unserem Frühstück verarbeitet. Sehr lecker. Bevor wir essen konnten, mussten wir vom Esstisch, dem Boden und den Stühlen erst einmal Kot und Urin entfernen, den die dort wohnenden Hunde hinterlassen hatten. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass das Frühstück in so einer Atmosphäre nicht wirklich genießbar war.

Nach dem wir einige Bissen heruntergewürgt hatten, bekamen wir die Aufgabe, bei der Fütterung der Hunde zu helfen.Die wilden Hunde, die noch nie in den Genuss von Erziehung gekommen waren, stürzten sich auf uns und versuchten mit Beißen und Kratzen unsere Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Das war nicht nur anstrengend und schmerzhaft sondern zerrte auch extrem an unseren Nerven. Als der Fahrer endlich kam (wir hatten nicht einmal 24 Stunden ausgehalten) waren wir überglücklich wieder ins saubere Volunteerhaus zu dürfen. Fazit: Das Projekt war definitiv nicht gut, da die falsch verstandene Tierliebe der Hausmutti einfach zu weit ging. Mit über 200 Hunden ( die Frau wusste es selbst nicht mal mehr genau) die krank, teilweise gelähmt oder inkontinent, unerzogen und nicht stubenrein in einem Haus zu wohnen und zu schlafen ist einfach zu viel und tut weder den Hunden, (die sich gegenseitig nicht verstehen) noch den Menschen einen Gefallen. Der armen Frau, die aus Einsamkeit einfach unkontrolliert Tiere aufnimmt, muss geholfen werden! Das Projekt wurde infolge unserer Erfahrungen und Berichte sofort aus dem Volunteer-Programm genommen, weil es nicht die Absichten verfolgt, die es eigentlich verfolgen sollte, weil es den Tieren nicht hilft in Massen gehortet zu werden. Wir haben direkt ein Ersatz-Projekt bekommen und werden deswegen ab morgen in einem Behindertenheim arbeiten.