Sir Lankan Sunset

Sir Lankan Sunset
Bild: stepin.de

Sonntag, 8. Februar 2015

Unser Trip zu Adam's Peak

Um zehn Uhr am Freitag Abend starteten 14 Volunteers, darunter auch Wibke, Anna, Mary und ich den einmaligen Ausflug zum Adam's Peak. Der Berg ist auch unter dem Namen „Schmetterlingsberg“ bekannt und auf ihm befindet sich der berühmte „Sri Pada“, was übersetzt „heiliger Fuß“ bedeutet, womit eine Felsformation gemeint ist, die wahlweise als Fußabdruck Buddhas, Adams oder Shivas zu deuten ist.
Da es tagsüber zu heiß wird, um die ca. 6200 Stufen ( ungefähr 1000 Höhenmeter) zu erklimmen und man von dem Berg einen einmaligen Blick auf den Sonnenaufgang hat, sollte man am besten nachts mit dem Aufstieg beginnen. So kamen auch wir um halb 2 nachts in Dalhousie am Fuß des Berges an und wurden bei unserem ersten Stopp in einem buddhistischen Tempel von einem Mönch gesegnet. Die ersten Kilometer verliefen ziemlich easy, da sich die Stufen immer mit flachen Strecken abwechselten und wir wunderten uns schon, warum uns zuvor jeder erzählt hatte, dass das Erklimmen des Berges so beschwerlich sei, bis wir den Part erreichten, in dem es statt der flachen Strecken nur noch Stufen zu besteigen galt. Ich muss sagen, dass der Weg hinauf zwischendurch dermaßen anstrengend war, dass ich wirklich überlegt habe einfach in einem der vielen Teehäuser zu bleiben statt mich weiter zu quälen. Schließlich siegte dann aber doch meine Neugier, was mich oben erwarten würde und so bestritten wir auch den letzten Teil des Weges ( wenn auch mit mehreren Tee-und Snackpausen). Da ich mir zum Glück zuvor ein paar Blogs und Erfahrungsberichte zu Adam's Peak durchgelesen hatte, hatte ich Wechselsachen eingepackt von denen ich erst genervt war sie den ganzen Weg hoch zu schleppen. Als man aber am Gipfel ankam,wo es winterlich kalt war, war man so durchgeschwitzt, dass man total gefroren hätte, wenn man nicht die Chance gehabt hätte sich umzuziehen. Weil wir schon nach 2,5 Stunden oben ankamen und nicht wie vermutet nach 4 Stunden, galt es nun zu warten bis sich der Sonnenaufgang zeigen würde, die Glocke zu läuten (erst nachdem man die Glocke geläutet hat ist man offiziell oben gewesen) und den Fußabdruck zu besichtigen. Zunächst suchten wir uns einen windgeschützten Unterschlupf. Auf diese Idee waren zuvor allerdings auch schon viele andere Pilgerer gekommen, sodass das Haus aussah wie eine Notunterkunft nach einer Naturkatastrophe oder einer Evakuierung.
Ein kleiner Teil der Unterkunft

Hier frühstückten wir dann ganz landestypisch Rotis, kleine mit Gemüsecurry gefüllte Teigtaschen und Ananas ( ziemlich gewöhnungsbedürftig um 5 Uhr morgens aber wir hatten soo Hunger). Danach gingen wir in den Tempel, bei dem man die Schuhe ausziehen und ziemlich lange warten musste, ehe man die Glocke läuten und den Fußabdruck sehen konnte, sodass meine Füße zwischenzeitlich zu Eisklumpen mutierten. Ich glaube ich habe noch nie so viele Leute auf so engem Raum gesehen (abgesehen von der Heimkehr der Nationalmannschaft in Berlin), wie zu dem Zeitpunkt an dem die Sonne begann aufzugehen. Deswegen beschlossen wir die Treppen wieder ein Stück herunterzugehen und hatten von dort aus einen super Blick auf den atemberaubendsten Sonnenaufgang, den ich je gesehen habe. Die Kulisse, in der die Sonne hinter einer Bergkette aufgegangen ist, war einfach nur großartig.


Da wir auf über 2000 Höhenmetern waren hatten wir zudem auch einen super Ausblick über die Wolken, die nur durch einzelne Bergkuppen unterbrochen wurden. Untermalt mit Trommeln und Gesängen der Mönche war die Zeremonie wirklich etwas ganz besonderes. Ich kann nur jedem, der in Sri Lanka ist, raten den Adam's Peak zu besteigen, denn es lohnt sich wirklich und ist ein ganz ganz tolles Erlebnis, das man nie mehr vergessen wird, auch wenn man beim Aufstieg denkt man würde sterben. So ließen wir es beim Rückweg langsam angehen und machten einige Pausen, weil unsere Beine vor Anstrengung zitterten und wir nicht riskieren wollten, die teilweise sehr unebenen Stufen herunter zu fallen.
Hier konnten wir dann auch bei Tageslicht die wunderschöne Landschaft rund um den Adam's Peak bewundern – Berge, Täler, Seen,Tempel, Wasserfälle, Teeplantagen, wilde Natur. Als wir dann nach ca. 3 Stunden den Boden erreichten wurden wir erneut gesegnet und fuhren erschöpft aber glücklich mit dem Taxi zum Volunteerhaus zurück. Alles in allem war der Ausflug ein großartiges Erlebnis, bei dem man an seine Grenzen geht, sie überschreitet und wundervolle Naturschauspiele beobachtet


Trotz der großen körperlichen Belastung lohnt sich der Auf- und Abstieg wirklich sehr, weil die Atmosphäre ( die vielen Menschen, die Musik, der Sonnenaufgang, die Stimmung, die Kraft des Glaubens) einfach unbezahlbar ist, sodass ich es wirklich jedem empfehlen kann, weil man sich so viel Zeit nehmen kann wie man möchte und in seinem Tempo den Aufstieg bestreiten kann.

Freitag, 6. Februar 2015

Eine Woche voller Herzlichkeit

Weil das Cats and Dogs Projekt der totale Reinfall war, bekamen Marie und ich für diese Woche ein Ersatzprojekt: Es ging für uns in das Behindertenheim „Mother Teresa Orphanage“ in Kandy.
Einrichtungen wie diese sind in Sri Lanka extrem wichtig, da Behinderte aus religiösen Gründen von ihrer Familie verstoßen und zu Waisen werden, weil der Glaube des „schlechten Karmas“ von vielen Familien vertreten wird. Behinderte sollen somit in ihrem vorherigen Leben etwas Böses getan haben und deswegen zurecht mit ihrer Behinderung bestraft sein, was natürlich für unseren Kulturkreis total absurd ist. So war der erste Tag auch ein richtiger Schock für uns, als wir gesehen haben unter welchen Umständen die Behinderten dort leben müssen, da die Heime nicht viel Unterstützung bekommen. Um den Schock besser verdauen zu können starteten wir (wie jeden Tag) mit einer morgendlichen Meditation, die Schwester Rose mit uns durchführte. Anschließend durften wir wählen an welchem Gruppenunterricht wir jeweils täglich teilnehmen wollen. Mich verschlug es am ersten Tag in die „Hope Group“, die aus Behinderten, die an den Rollstuhl gefesselt sind, bestand. Die meisten von ihnen waren schwer ansprechbar und nur bedingt anwesend, sodass man vergleichsweise wenig mit ihnen machen konnte. Wir begannen also sie zu waschen, einzucremen, zu füttern und anschließend lackierten wir ihnen die Nägel, malten mit ihnen oder spielten mit Knete.
Am zweiten Tag half ich in der „Peace Group“, in welcher nicht ganz so schlimm Behinderte Frauen unterrichtet wurden. Hier bestand der Unterricht daraus zunächst in Englisch die Körperteile zu benennen. Darauf folgte eine Einzelarbeit, bei der die Frauen malten, rechneten oder das Alphabet lernten.
In den letzten Tagen verbrachte ich die Unterrichtszeit in der „Children Group“, in der, wie der Name schon sagt, die Kleinsten des Heims untergebracht sind. Hier handelte es sich nicht um wirklichen Unterricht, sondern vielmehr um Musik-, Mal- und Basteltherapie.
Die Kleinen waren voller Energie und verwandelten die Spielecke schon bald in ein Schlachtfeld von Spielsachen. Von einem ganz besonders süßen Mädchen bekam ich am letzten Tag eine selbstgebastelte Blume geschenkt – einfach goldig! Am Ende jeder dieser Stunden wurde jeweils ein Lied gesungen, in dem man sich für die Anwesenheit und das Engagement der Teilnehmer bedankt hat.
Nach dem Unterricht folgte das Mittagessen, bei dem wir halfen die Behinderten, die nicht eigenständig essen können, zu füttern. Dieser Teil des Tages war immer ziemlich emotional, weil man hautnah miterlebt, wie hilflos sich die Behinderten fühlen und wie stark sie auf liebevolle Pflegekräfte angewiesen sind. Nachdem wir die ( viel zu lange) Mittagspause größtenteils im Aufenthaltsraum verschlafen oder im benachbarten Café verbracht hatten, ging es zurück zu den Behinderten, mit denen wir nun 1,5 Stunden zur freien Verfügung hatten.
Wir nutzten diese Zeit meistens dafür um mit den kuschelbedürftigen Bewohnern zu schmusen, sie zu streicheln oder mit den Kiddis auf den Spielplatz zu gehen.
Am Mittwoch, an dem in Sri Lanka Unabhängigkeitstag gefeiert wurde, durften die Heimbewohner ausnahmsweise fernsehen, was allen großen Spaß bereitete.
Der Abschied fiel am Ende jedes Arbeitstages ziemlich schwer, am schlimmsten war es jedoch am letzten Tag, denn nicht nur wir verließen das „Disabled Project“. sondern auch einige Mädchen die mehr als 4 Wochen dort verbracht hatten. Da die meisten Behinderten nicht verstanden, dass wir nicht mehr wiederkommen würden, fragten sie immer wieder wann wir Montag kommen würden. Es war also, besonders für die länger anwesenden Volunteers, ein tränenreicher Abschied und auch für mich war es ziemlich traurig, da man in der Zeit natürlich Lieblinge gewonnen hatte, von denen man sich nur schweren Herzens verabschieden wollte. Fazit: Es war eine beeindruckende Woche mit einzigartigen Menschen die mein Leben geprägt und verändert haben. Es war einfach wundervoll jeden Tag das Heim zu betreten und von warmherzigen Lächeln empfangen zu werden. Diese Freundlichkeit werde ich in Deutschland und in meinem normalen Umfeld mit Sicherheit vermissen. Es war einfach eine tolle Erfahrung aufrichtige Dankbarkeit von Menschen zu erfahren, die einen wirklich brauchen. Nach einer gewissen Zeit überwindet man Grenzen und scheut sich auch nicht mehr davor mit den Leuten auf die Toilette zu gehen oder sie zu säubern. Ich hoffe, dass sich weiterhin Volunteers dazu entscheiden im Behinderten Projekt in Sri Lanka mitzuarbeiten, da es wirklich sinnvoll ist, weil es für die über 100 Bewohner nicht genügend Personal gibt, das ihnen ausreichend Liebe und Zuneigung spenden kann. Alles in allem hat mir das Projekt gut gefallen, weil es mich (obwohl ich nur eine Woche dort war) aus meiner Komfortzone herausgeholt hat und mich offener für benachteiligte Menschen gemacht hat.
( Wie ihr mit Sicherheit versteht, werde ich hier keine Fotos von einzelnen Heimbewohnern hochladen, da ich es nicht fair finde ihre Handicaps im Internet preiszugeben)

Montag, 2. Februar 2015

The Longest Day

Am Sonntag brachen Marie und ich zum Cats & Dogs Projekt auf, wo wir uns um verletzte und verwaiste Straßentiere kümmern sollten. Weil es die Sri Lankar gechillter angehen lassen, als wir Deutschen es gewohnt sind, wurden wir nach gut 3,5 Stunden Wartezeit endlich mit dem Taxi zum Projekt gefahren. Wir dachten uns schon, dass es dort mit Sicherheit einige kranke und nicht erzogene Hunde und Katzen geben würde, aber was uns dort erwartete sprengte all unsere Erwartungen (im negativen Sinne)! Wir fuhren auf das Grundstück und wurden von lautem Gebell begrüßt, das von über 200 Straßenhunden herrührte. Die Tiere waren über mehrere Zwinger verteilt, die man alle durchqueren musste, ehe man das Haus erreichte, in dem die deutsche Ziehmami zusammen mit den Tieren wohnte. Schon beim Betreten des Hauses schlug uns der beißende Geruch von Hunde/Katzenkot und Pipi entgegen. Im Haus erwarteten uns dann um die 50 Hunde und einige Katzen, die nicht stubenrein, geschweige denn erzogen waren. Den Flur bis zu unserem Schlafzimmer (in dem nebenbei auch mehrere Katzen hausten) war infolgedessen von Pinkelpfützen überzogen, die die Besitzerin des Hauses immer nur leicht mit dem Swiffer aufsaugen ließ, sie aber nie richtig säuberte.
Unsere Ankunft war wie Ihr sicher verstehen könnt erst mal der totale Schock für uns und wir wären am liebsten direkt wieder gefahren, besonders weil unsere Zimmerkatzen ein paar Häufchen auf und unter unserem Schreibtisch hinterlassen hatten. Aber wir sagten uns: eine Nacht packen wir mindestens, vielleicht sieht die Welt morgen schon anders aus. Sah sie nicht! Vor dem Schlafengehen hatte sich nämlich im Badezimmer ( in dem die Klospülung übrigens nicht funktionierte) ein Blutegel an meinem Fuß festgesaugt, der anschließend voll gesaugt abfiel und genüsslich über unser Bett kroch. Als wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, konnte man die Fenster in unserem Zimmer nicht schließen, so dass immer wieder Katzen und Hunde ein und aus spazierten, während wir versuchten zu schlafen. Völlig verzweifelt schrieben wir unserem Projektleiter eine SMS mit der Bitte zur Flucht. Am nächsten Morgen kam die Antwort, dass er einen Fahrer organisiert hätte, der uns bald abholen würde. Bis dahin galt es allerdings noch im Horror-Haus zu verharren und zu frühstücken. Das Essen, das offen in der Küche herumlag und schon von einigen Katzen angeknabbert worden war, wurde von der Tiermama zu unserem Frühstück verarbeitet. Sehr lecker. Bevor wir essen konnten, mussten wir vom Esstisch, dem Boden und den Stühlen erst einmal Kot und Urin entfernen, den die dort wohnenden Hunde hinterlassen hatten. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass das Frühstück in so einer Atmosphäre nicht wirklich genießbar war.

Nach dem wir einige Bissen heruntergewürgt hatten, bekamen wir die Aufgabe, bei der Fütterung der Hunde zu helfen.Die wilden Hunde, die noch nie in den Genuss von Erziehung gekommen waren, stürzten sich auf uns und versuchten mit Beißen und Kratzen unsere Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Das war nicht nur anstrengend und schmerzhaft sondern zerrte auch extrem an unseren Nerven. Als der Fahrer endlich kam (wir hatten nicht einmal 24 Stunden ausgehalten) waren wir überglücklich wieder ins saubere Volunteerhaus zu dürfen. Fazit: Das Projekt war definitiv nicht gut, da die falsch verstandene Tierliebe der Hausmutti einfach zu weit ging. Mit über 200 Hunden ( die Frau wusste es selbst nicht mal mehr genau) die krank, teilweise gelähmt oder inkontinent, unerzogen und nicht stubenrein in einem Haus zu wohnen und zu schlafen ist einfach zu viel und tut weder den Hunden, (die sich gegenseitig nicht verstehen) noch den Menschen einen Gefallen. Der armen Frau, die aus Einsamkeit einfach unkontrolliert Tiere aufnimmt, muss geholfen werden! Das Projekt wurde infolge unserer Erfahrungen und Berichte sofort aus dem Volunteer-Programm genommen, weil es nicht die Absichten verfolgt, die es eigentlich verfolgen sollte, weil es den Tieren nicht hilft in Massen gehortet zu werden. Wir haben direkt ein Ersatz-Projekt bekommen und werden deswegen ab morgen in einem Behindertenheim arbeiten.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Die "Elephant-Experience"

Am Sonntag Vormittag verließen wir das Volunteer-Haus in Kandy um zu neuen Ufern aufzubrechen, oder genauer gesagt zum Elefanten- Projekt in Pinnawala. Leider mussten wir deswegen von den besten Zimmergenossinnen der Welt ( Theresa und Stefanie) verabschieden. :(
Die besten Mitbewohnerinnen 
Die Reise zum Projekt startete mit einer Überraschung: Wir 3 (Wibke,Marie und Ich) sollten samt Gepäck und Reisebegleiter Rayan in einem!! Tuk-Tuk ins ca. 2 Stunden entfernte Pinnawala fahren. Weil wir als Mädchen leider zu großes Gepäck hatten, mussten wir mit 2 Tuk-Tuks zunächst zum Busbahnhof in Kandy und von da aus mit dem Bus weiter zu den Elefanten fahren. Beim Ausladen unserer Koffer verletzte sich unser Betreuer Rayan dann auch prompt, weil ihm Marys Koffer ausrutschte und auf die Nase fiel. Als wir dann nach der ziemlich unkomfortablen Fahrt bei unserem neuen Zuhause auf Zeit ankamen, fielen wir direkt über das, im übrigen sehr leckere, Mittagessen her. Hier lernten wir dann auch unseren Chef-Koordinator Sumeda kennen, mit dem wir uns auf Anhieb gut verstanden. Nach dem Essen besichtigten wir unser neues Volunteer-Zimmer, das sich in einem Hotel unweit des Restaurants befand, in dem wir immer unser Essen bekommen. Da es sich um ein Hotel handelte freuten wir uns schon total auf etwas gemütlichere Zimmer, als die im Volunteer- Haus, aber nichts da – in dem Hotelzimmer erwarteten uns nämlich viele kleine und große Untermieter wie Spinnen,Ameisen, Geckos und (jetzt kommt's) Kakerlaken. Als wir die erste Kakerlake gesehen hatten, wären wir am liebsten direkt wieder ausgezogen, aber was tut man nicht alles für die süßen Elefanten, um die wir uns in der Woche kümmern wollten. Wir blieben also und gewöhnten uns im Lauf der Zeit an unsere tierischen Mitbewohner, die sich zum Glück nicht allzu oft blicken ließen. So verlief die erste Nacht zwar ungewohnt, dafür erwartete uns aber am nächsten Morgen die liebste Elefantendame der Welt, unsere „Kumaris“.
Von Montag bis Freitag halfen wir morgens zunächst das Elefanten-Areal zu säubern, aufzuräumen und Futter für die Elefanten zu suchen und zu lagern.

Aus dem getrockneten Elefanten-Kot, den wir aufsammelten und in Säcke packten wird in einer kleinen Fabrik in Pinnawala „Elefant-Poo-Paper“ hergestellt. Zu aller erst wird der Kot gekocht, dann gerührt, anschließend getrocknet, gefärbt und zu Papier verarbeitet. Das Ergebnis ist ein sehr natürliches Papier in unterschiedlichen Farben, das beispielsweise als Kalender oder Tagebuch verarbeitet verkauft wird, dessen Erlös anschließend wieder an die Elefanten-Bewahrungs-Projekte geht. In dieser Fabrik durften wir als Volunteers dabei helfen, verschiedene Produkte aus dem Papier zu basteln und zu verpacken.

Die Eigentümer waren total überrascht wie schnell wir arbeiteten und dass wir sogar ein paar Brocken singhalesisch sprechen konnten, dass sie uns zum Dank einen mini Kalender schenkten. Nach dem täglichen Lunch und der Arbeit in der „Poo-Factory“ durften wir uns dann am Nachmittag um unseren Elefanten kümmern. Dabei galt es vor allem die sanfte Riesin zu waschen, zu füttern und zu streicheln.


Es hat wirklich Spaß gemacht und war eine super Erfahrung in hautnahen Kontakt mit dem Tier zu kommen. Unser Mahout war auch nett (auch wenn die Verständigung etwas schwierig war, da er nicht so gut Englisch sprechen konnte) und er war sehr lieb zu Kumaris und kümmerte sich wirklich gut um sie. ( Die Ketten, die die Elefantenkuh auf den Bildern trägt sind nicht zu, sondern dienen, wegen der umhängenden Glocke, nur zur Orientierung bei den Elefantenritten und zum Festhalten für die Reiter. Ebenso war der Elefantenstab, den der Mahout auf den Bildern trägt, eigentlich nur Deko, weil er ihn so gut wie nie benutzt hat.) Auch nach der Arbeit wurde uns nicht langweilig, denn unsere Koordinatoren organisierten für uns jeden Abend ein tolles Programm, wie einen einheimischen Gitarrenspieler, einen Feuertanz oder einen DJ.
Insbesondere Rayan nahm sich immer sehr viel Zeit für uns und brachte uns viele neue singhalesische Vokabeln und sri lankische Kartenspiele bei. Im Gegenzug halfen wir ihm dabei, sein Englisch und Deutsch zu verbessern. Er war in dieser Woche unser liebenswürdiger Bodyguard, mit dem wir zum Pool gingen, Spiele spielten, rumalberten und alles in allem immer viel Spaß hatten. Das Highlight der Woche waren die Chinesen, die mit uns im Projekt waren, denn sie zeigten und chinesische Trinkspiele und waren total cool und witzig drauf. Besonders Steve brachte den Burner der Woche als er sagte: „Ihr seid voll cool, dass ihr in Deutschland Nasen habt. Unsere Nasen sind total flach, sodass wir nur so aussehen als seien wir 2D und ihr seht aus als wärt ihr 3D. :D“
Fazit der Woche: Die „Elephant-Experience“ ist ein echt cooles Projekt, mit netten Betreuern, das wirklich Spaß macht und einem die liebenswerten Tiere näher bringt. Wer allerdings auf harte Arbeit eingestellt ist, ist hier fehl am Platz, denn bis auf die Elefanten-Pflege ( bei der ein Elefantenbad auch mal gut eine Stunde dauern kann) arbeitet man höchstens 3 – 4 weitere Stunden am Tag. Auch wenn es somit mehr Urlaub bei den Elefanten inklusive Anfassen und Pflegen ist, hat es mir ausgesprochen gut gefallen. Daumen hoch auch für diese Woche!

Sonntag, 25. Januar 2015

Welcome to Colombo!

An diesem Wochenende ging es für Wibke, Stefanie, Theresa,Anna, Marie und mich nach Colombo, wo wir unser Visum verlängern mussten. Der Trip begann ziemlich früh, weil wir den Zug um 5 aus Kandy erwischen mussten. Wir packten also schon am Donnerstag die Sachen und kauften ein paar Snacks ein, weil wir schon mit einer längeren Wartezeit im „Office of Emigration and Immigration“ gerechnet hatten und uns dafür eindecken wollten. Die Zugfahrt nach Colombo verlief reibungslos – Wir hatten alle einen Sitzplatz, konnten schlafen und erreichten nach kurzer Zeit Colombo Fort. Am Bahnhof angekommen charterten wir ein Tuk-Tuk, das uns zum Amt zur Visa Verlängerung kutschierte. In dem Auswanderer-/Einwandereramt hieß es zunächst Rätselraten wo wir als erstes hin mussten, weil wir alle zunächst noch Passfotos machen mussten. Nach einer kurzen Suche fanden wir den Foto-Shop im dritten Stock, wo in Windeseile Porträts geschossen wurden: Hinsetzten, gerade gucken und lächeln, aufstehen und gehen. Sri Lanka Style halt. Der ganze Spaß war sehr günstig und kostete gerade mal einen Euro für 4 Bilder. Anschließend füllten wir alle die nötigen Papiere aus und ab dann hieß es erst mal warten. Nach ungefähr vier Stunden bekamen alle das heißersehnte Visum und wir beschlossen noch ein bisschen die Stadt zu erkunden und eventuell eine Nacht dort zu verbringen.
Also haben wir uns ein Tuk-Tuk klar gemacht und los ging's. Erster Stopp: riesiger, gut sortierter und günstiger Souvenir Shop. Unsere Fahrer boten an auf uns zu warten – ein schwerer Fehler wie sich herausstellte, denn der Shop war so groß und hatte eine so eine große Auswahl an Souvenirs, das wir ewig darin verweilten. Als wir genug Geld ausgegeben hatten, machten wir uns auf den Weg um ein Hostel zu suchen. Wir stiegen bei „Backpack Lanka“ aus, wo es aber leider kein freies Zimmer mehr gab. Gefrustet gingen wir zu Subway wo wir uns durch diverse Hostel-Nummern telefonierten. Ein Hostel, das Colombo Beach Hostel, hatte dann tatsächlich noch ein Zimmer frei und der nette Besitzer schrieb uns dann auch prompt per SMS den Busfahrplan, sodass wir die Unterkunft schnell erreichten.
Sie war sauber und es gab ein Bett ( mehr kann man für 10 Euro die Nacht auch nicht erwarten) und außerdem lag die Unterkunft in unmittelbarer Strandnähe (einmal über die Eisenbahnschienen und schon war man da).
Wir packten schnell unsere Rucksäcke aus, zogen die Bikinis an und los ging's zum lang herbeigesehnten Strand.


Der Strand war zwar nicht unbedingt ruhig und abgelegen, dafür hatten wir aber einen super Blick auf die Skyline von Colombo.
Nach dem Baden gingen wir in eine Strandbar und ließen uns dort Kartoffelecken, Brownies und Cocktails schmecken. Als wir abends ins Hostel zurückkamen, erwartete uns eine Überraschung: wir hatten noch einen neuen Mitbewohner bekommen, weil wir ein gemischtes 6 Bett Zimmer gebucht hatten, sich aber am Nachmittag Wibke, Theresa und Stefanie entschlossen hatten, die Nacht daheim in Kandy zu verbringen. Machte aber gar nichts, denn der Typ schlief eh schon als wir kamen und als wir am nächsten Morgen gingen schlief er immer noch. Wir frühstückten in einem kleinen Restaurant direkt neben unserem Hostel – dem „Food Corner“. Dort gab es für 2,50 ein reichhaltiges Frühstück mit Tee, Eiern, Toast, Würstchen, Marmelade, Chilipaste und Pol Rotti (Kokosbrot).
Auch der Restaurant-Eigentümer war sehr gastfreundlich und erzählte uns einiges über die verschiedenen Malerei-Perioden in den sri lankischen Tempeln. Das Meer und die Sonne zogen uns im Anschluss wieder an den Strand wo wir noch einmal in die Wellen sprangen, bevor wir mit dem Bus in die Stadt fuhren um den Pettah Markt in Colombo zu besichtigen. Wir erwarteten mehrere rustikale Stände mit Früchten, Gewürzen, Schmuck und Leder, aber nichts da! Der Markt ist nämlich wie ein Stadtviertel, indem es nur so von Menschen, Autos, Tuk-Tuks und LKW's wimmelt.
Es gibt dort vielmehr kleine Läden mit irgendwelchem nutzlosen Krimskrams, als wirklich schöne alte Stände ( vielleicht haben wir nicht alles gesehen, da wir nur 2 Stunden Zeit hatten oder waren einfach zu blöd :D) und dort wird man als Ausländer wirklich von jeeeeeeedem angesprochen, sodass wir schon nach kurzer Zeit dermaßen genervt waren, dass wir uns in der Nähe des Bahnhofs einfach in ein kleines Restaurant setzten und Frust-Eis aßen. Besser gelaunt ging es dann wenig später für uns mit dem Zug zurück nach Kandy, wo wir im Anschluss die Koffer für das Elefanten Projekt packten, bei dem wir nächste Woche mitarbeiten!

Donnerstag, 22. Januar 2015

Arbeiten zwischen Buddhas, Mönchen und gaaanz viel Farbe

Diese Woche stand ganz unter dem Motto „Tempel Renovierung“. Unser Tempel lag nur ca. 1 km entfernt, sodass wir ihn bequem in 15 Gehminuten erreichen konnten. Die Mönche begrüßten uns sehr herzlich und waren froh, dass sich endlich jemand ihrem, in die Jahre gekommenen, Tempel annahm und ihn wieder ein bisschen aufmotzte. Aus diesem Grund kochten die Mönche auch jeden Tag für uns und das Essen was uns von ihnen vorgesetzt wurde war wirklich das beste und abwechslungsreichste, das ich bis jetzt hier gegessen habe! Wibke, Anna, Marie und ich schnappten uns also zunächst Bürsten und Schwämme und befreiten den Tempel von dem lang angereicherten Schmutz und Spinnweben, die sich auf den Wänden, den Ornamenten und dem Boden befanden.


Nach einer Stunde Arbeit wurden wir allerdings schon wieder von unserem lieben und besorgten Projektbegleiter Tara unterbrochen, der uns erst mal eine Pause verordnete. Es war Tea-Time! Zu dem leckeren Ceylon-Tee, den die Mönche extra für uns zubereiteten, gab es Bananen, Kekse, und Cracker mit einer schmackhaften Maracuja-Marmelade. Es war sooo lecker, dass wir uns schon zur Tea-Time total vollfutterten, was ein Fehler war, denn zum Mittagessen wurde auch ordentlich aufgetischt. Zu den typischen Currys, hier allerdings in zahlreichen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, wurden Salate, Reis, Fisch und zum Nachtisch Joghurt, Eis oder Gummibärchen gereicht.
Weil es bei uns im Haus nicht oft Milchprodukte gibt, stürzten wir uns auf den Joghurt und das Eis und stopften uns die Bäuche voll. Nach den leckeren und ausgiebigen Pausen ging's zurück an die Arbeit. Im Anschluss an das Säubern und Reinigen des Tempels bewaffneten wir uns mit Farbe und Pinsel und sagten den Flecken und Verfärbungen auf den Tempelwänden den Kampf an.



Hier ist die Farbe allerdings sehr dünn, da sie aus Wasser, Salz, blauer Bleiche und Ton angerührt wird, weswegen wir alle Wände und Ornamente mehrmals überstreichen mussten, was uns einige Tage Arbeit bescherte. Am zweiten Tag stießen noch ein 60-Jähriger, total lustiger und cooler Opi sowie vier Chinesinnen zu uns (die aber keine große Hilfe waren, weil sie sehr schick angezogen waren, ihre Kleidung nicht dreckig machen wollten und deswegen in Zeitlupentempo strichen und sauber machten).
Da die Mönche die „präzise und schnelle Arbeit“ der jungen und dynamischen Volunteers scheinbar nicht gewohnt sind (weil insgesamt 3 Monate für die Arbeit eingeplant wurden, die wir in einer guten Woche erledigt haben) wurden wir mit Komplimenten zu unseren Streichkünsten geradezu überschüttet. Mir wurde vom Obermönch sogar erlaubt in einen Buddha-Altar zu klettern und die Innenwände weiß anzumalen.
An unserem letzten Tag zogen wir zum streichen in die tempeleigene Schule um, da ansonsten schon alles fertig war um dort Renovierungsarbeiten zu leisten. Bei der Tea-Time rutschte mir ( wie soll es auch anders sein, ich Tollpatsch) die Teekanne mit heißem Wasser aus der Hand und das Wasser verbrannte meine Arme. Die superlieben Mönche bereiteten sofort eine Aloe-Vera Pflanze vor und sorgten für die nötige Erstversorgung der Verbrennungen.
Der Papa-Mönch versorgt die Verbrennungen, die man auf dem Foto nicht sieht :D
Ich habe selten so viel Gastfreundlichkeit wie hier in Sri Lanka erlebt. Die Menschen hier sind einfach klasse! Besonders ans Herz gewachsen sind mir in dieser Woche die kleinen Mönche, die immer ein Lächeln auf den Lippen hatten.
Allerdings wurden wir auf dem Nachhauseweg oftmals komisch angeguckt, weil die Menschen hier nicht an „Weiße“ gewohnt sind, insbesondere nicht an solche, die total mit Farbe bekleckert sind und aussehen wie Drecksschweinchen. Fazit: Daumen hoch für die Woche! Die Arbeit im Tempel war zwar ziemlich schweißtreibend und anstrengend ( vor allem sind einem die Fußsohlen, weil man im Tempel nur barfuß laufen darf, auf den heißen Platten fast angekokelt), aber es war dennoch ein echt cooles Projekt und ich bin froh solch eine Erfahrung gemacht zu haben, denn am Ende der Woche hat man wirklich das Gefühl etwas geleistet zu haben, weil man die eigenen Erfolge deutlich sieht und die Begeisterung und Dankbarkeit der Mönche erntet. Wie ich finde kann sich unser Ergebnis wirklich sehen lassen: Alles strahlend weiß!